Interessantes aus Wissenschaft und Forschung

AKTUELL  |  ARCHIV  |  KONTAKT
 

 
Vogelfütterung und ihre Folgen
Vielfältige Wirkungen auf Vogelpopulationen


(umg.info 2010_06) Millionen Haushalte füttern Vögel. Allein in den USA und in Großbritannien werden pro Jahr 500.000 Tonnen Futter an den Vogel gebracht – und dies nicht nur im Winter. In vielen Ländern wer­den Vögel das ganze Jahr über mit Futter versorgt. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Vogelpopulationen, wie Wissen­schaftler nun auf­zeigen.
Die Verfügbarkeit von Nahrung ist ein wesentlicher Faktor, der die Größe von Vogelpopulationen bestimmt. Zusätzliches Futter reduziert das Risiko zu verhungern und erhöht die Wahrscheinlichkeit, den Win­ter zu überleben. Im Frühling können Vögel durch eine optimale Nahrungsversorgung früher mit dem Brutgeschäft beginnen und da­durch den Bruterfolg steigern, weil früher geschlüpfte Jungvögel oft größere Überlebenschancen haben. Das Nahr­ungsangebot beeinflusst zudem die Häufigkeit von Zweitbruten, wirkt sich auf Ei- und Ge­le­ge­größen aus. Auch die Entwicklung der Jungvögel wird durch Fütterung in vielen Fällen beeinflusst.
Zusätzliches Futter kann sogar das Geschlechterverhältnis verändern, wie das Beispiel des Kakapos, einer in Neuseeland endemischen und akut vom Aussterben bedrohten Vogelart, zeigt: Futter, das als Arten­schutz­maß­nahme angeboten wurde, erhöhte zwar den Fort­pflanz­ungs­erfolg, führte aber auch dazu, dass wesentlich mehr Männ­chen als Weibchen zur Welt kamen.
Ein verbessertes Nahrungsangebot beeinflusst das Sozialverhalten. Gut genährte Jungvögel sind - zumindest bei manchen Arten - we­ni­ger aggressiv gegenüber ihren Geschwistern. Bei erwachsen Vögeln hin­gegen kann Futter das Revierverhalten verändern, weil optimal mit Nahrung versorgte Tiere mehr Energie in die anstrengende Re­vier­ver­teidigung investieren.
Vogelfütterung beeinflusst die großräumige Populationsdynamik. Die Ausbreitung des Amerikanischen Goldzeisigs nach Norden wird mit Fütterung in Zusammenhang gebracht. Selbst das Zugverhalten kann sich ändern – wenn in der kalten Jahreszeit genügend Futter vor­han­den ist, müssen die Vögel nicht mehr nach Süden ausweichen. Werden bestimmte Arten durch die Fütterung gefördert, wirkt sich dies auf andere Arten aus, zB über Räuber-Beute-Systeme oder durch die Ver­schiebung von Konkurrenzverhältnissen. Vogelfütterung kann sich zur ökologischen Falle entwickeln, wenn sie die Raum­nutzung be­ein­flusst und Futter die Tiere in suboptimale Lebensräume lockt. An Futter­stellen konzentrieren sich zudem viele Individuen, wodurch die Aus­breitung von Krankheiten begünstigt wird.
Diese Beispiele zeigen, wie komplex die Auswirkungen von Fütterung auf wildlebende Vogelbestände sind. Trotzdem ist unser Wissen in dieser Beziehung noch immer sehr gering. Angesichts der steigenden Zahl an Futterhäuschen ist es daher enorm wichtig, die Erforschung der ökologischen Folgen der Vogelfütterung zu intensivieren.


Robb, G. N., McDonald, R. A., Chamberlain, D. E. & S. Bearhop (2008): Food for thought: supplementary feeding as a driver of ecological change in avian populat­ions. Frontiers in Ecology and the Environment 9 (6): 476-484
Vögel am Futterhaus - Richtige Winterfütterung: http://www.naturtipps.com/vogel fuetterung.html


Keywords: Vögel, Vogelfütterung, Winterfütterung, ökologische Folgen
 

 


© UMG Umweltbüro Grabher | Meinradgasse 3, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 65564 | office@umg.at | www.umg.at