Interessantes aus Wissenschaft und Forschung

AKTUELL  |  ARCHIV  |  KONTAKT
 

 
Ameisen als Meister der Orientierung
Spezielle Fähigkeiten der Wüstenameise


(umg.info 2007_06) Dass Ameisen Lasten mit einem Vielfachen ihres Körpergewichts tragen können, ist allgemein bekannt. Ameisen sind aber auch perfekte Orientierungskünstler. Die Wüstenameise Cata­glyphis fortis lebt in der Sahara. Dort macht sie auf strukturlosen Sandflächen Jagd nach Beute, um anschließend über mehrere hund­erte Meter geradlinig zu ihrer Nestöffnung zurückzukehren. Während die Tiere unterwegs sind, messen sie ständig die eingeschlagenen Richtungen und die zurückgelegten Distanzen, um daraus den Weg nach Hause zu berechnen.
Der „Kompass“ der Ameisen beruht auf dem für den Menschen un­sichtbaren Polarisationsmuster des Sonnenlichts, das durch Streuung an den Luftmolekülen in der Erdatmosphäre entsteht und im Bereich des ultravioletten Lichts besonders stark ausgeprägt ist. Die UV-­empfindlichen Sehzellen der Ameisen sind so gebaut, dass sie als Polarisationsanalysatoren wirken. Zusätzlich können sie die im UV-­Bereich ausgeprägten Himmelsfarben sehen, anhand derer ebenfalls eine Kursbestim­mung möglich ist. Verpasst man den Tieren Kontakt­linsen, die die UV-Wahrnehmung und damit das Sehen des Polarisa­tions­musters und der Himmelsfarben verhindern, werden sie völlig orientierungslos.
Für die Feinabstimmung ihres Kurses merkt sich Cataglyphis fortis zusätzlich Landmarken. Wie mit einer 360°-Weitwinkelkamera „foto­grafiert“ sie mit ihren Komplexaugen das Horizontpanorama um den Start- und späteren Zielpunkt ihrer Reise. Damit das „GPS“ der Ameisen funktioniert, muss auch die zurückgelegte Entfernung ge­messen werden. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das geschieht, indem die Tiere ihre Schritte zählen und daraus auf die Distanz rückschließen. Wurden die Beine der Ameisen vor dem Zurück­laufen künstlich verlängert oder verkürzt, haben sie sich auf dem Rückweg genau um den Betrag, der sich aus der veränderten Schrittlänge ergab, verschätzt.


Wittlinger, M., Wehner, R. & H. Wolf (2006): The Ant Odometer: Stepping on Stilts and Stumps. Science 312 (5782): 1965-1966
Wehner, G. (1998): Im Cockpit einer Wüstenameise. Uni ETH, Magazin der Uni­versität Zürich 3798 / Bulletin der ETH Zürich 271, http://www.kommunikation. uzh.ch/static/unimagazin/archiv/3-98/ameise.html


Keywords: Wüstenameisen, Orientierung, UV-Strahlung
 

 


© UMG Umweltbüro Grabher | Meinradgasse 3, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 65564 | office@umg.at | www.umg.at