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Pflanzen wehren Schädlinge mit Nektar ab
Neue Perspektiven im biologischen Pflanzenschutz tun sich auf


(umg.info 2001_21) Viele Pflanzen erhöhen ihre Blatt­nektar­pro­duktion um das Vier- bis Sechsfache, wenn sie von Schädlingen befallen wer­den. Mit dem süßen Futter locken sie vermehrt Ameisen, Wespen und andere räuberische Insekten an, die als Gegenleistung ihre Partner­pflanzen gegen Fraßschädlinge verteidigen. Das ent­deckten Wissen­schaftler vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenökologie der Uni­versität Würzburg und vom Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena. Möglicherweise eröffnen die Ergebnisse neue Per­spektiven im biologischen Pflanzenschutz, berichten die Forscher. Sie untersuchten malaysische Bäume (Macaranga tanarius), die mit Ameisen in Symbiose leben. Auslöser für die vermehrte Nektaraus­sonderung ist das Pflanzenhormon Jasmonsäure, fanden die Wissen­schaftler heraus. Je stärker die Pflanzen verletzt wurden, desto mehr Jasmonsäure stießen sie an den beschädigten Blättern aus. Die größ­eren Hormonabsonderungen führten in Folge zu einer Erhöhung der Nektarproduktion.
 
Die Würzburger Biologen Andrea Hilpert und Martin Heil behandelten mehrere Bäume im Freiland mit Jasmonsäure. Bereits drei Stunden später hatte die Anzahl der Insekten an den Nektarquellen deutlich zugenommen. Viele davon, vor allem Ameisen und Fliegen, ver­teidigten ihre Futterstellen gegen andere Insekten. Dem­ent­sprech­end zählten die Forscher deutlich weniger Schadinsekten auf den Bäumen.
Um die langfristige Wirkung dieses Effekts zu prüfen, behandelten die Würzburger Biologen über sechs Wochen hinweg alle vier Tage ins­gesamt 30 Pflanzen mit Jasmonsäure oder traktierten sie mit 100 Nadelstichen pro Blatt. So sollte die Nektarproduktion ständig auf hohem Niveau gehalten werden. In dieser Zeit erlitten unbehandelte Bäume zehn Mal größere Fraßschäden als behandelte Exemplare.
Auch Nutzpflanzen wie Baumwolle, Feigenkaktus, Cashew-Nuss­bäume oder die bei uns heimischen Kirschbäume produzieren Blatt­nektar und werden so zumindest teilweise vor Fraßschäden ge­schützt. "Es bleibt zu prüfen, ob die Anregung der Blatt­nektar-Pro­dukt­ion oder die Zucht von Sorten, die ständig viel Blattnektar pro­duzieren, eine Möglichkeit darstellt, sich diese effiziente, natürlich entwickelte Form der Schäd­lingsbekämpfung auch im Pflanzenanbau zunutze zu machen", erklärt Heil (pte).


Heil, M., Koch, T., Hilpert, A., Fiala, B ., Boland, W. & Linsenmair, K. E. (2001): Extrafloral nectar production of the ant-associated plant, Macaranga tanarius, is an induced, indirect, defensive response elicited by jasmonic acid. PNAS 98 (3): 1083-1088, http://www.pnas.org/content/98/3/1083.full


Keywords: Pflanzen, Schädlingsabwehr, Fraßschutz, Nektar, Symbiose, bio­lo­gischer Pflanzenschutz
 

 


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