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Lebende Schmeißfliegen als Wundheiler
Deutsches Pharmaunternehmen verschickt lebende Maden zur Wundbehandlung


(umg.info 2001_04) Die deutsche Pharmafirma Biomonde bietet für die Wundbehandlung schlecht heilender Entzündungen und Ge­schwü­re eine auf den ersten Blick ekelig anmutende, aber Jahrhunderte alten Methode an: Lebende Schmeißfliegenmaden werden in die Wunden platziert und fressen deren eiternde, faulende, abgestorbene Be­standteile. Die Maden sind auch dort erfolgreich, wo Antibiotika auf­grund von Resistenzen nicht mehr wirken. Bei immunschwachen alten Menschen oder an offenen Beinen leidenden Diabetikern haben sich die vier Millimeter großen, keimarmen Maden der Goldfliege Lucilia sericata sehr bewährt. Das bestätigte auch Claudia Wiedeck, Chirurgin an der Frankfurter Klinik in Höchst gegenüber presse­text.austria. Bereits seit einigen Jahren werden die Fliegenlarven dort in der Wund­behandlung, insbesondere bei alten Patienten, eingesetzt. "Maden­besiedelte Wunden sind trotz ihres abstoßenden Anblicks in der Regel sauber", so Wiedeck. Das zeigten auch verwahrloste Menschen, in deren Wunden sich Fliegenmaden eingenistet haben. "Erstaunlicher­weise sind gerade die Wunden oft das einzig saubere an den Patienten. Nach dem Säubern und der Madenentfernung ver­schlechtert sich der Zustand der Wunden in der Regel", so die Wis­sen­schaft­lerin.
 
In der Verpackungseinheit von Biomonde befindet sich ein steriler Container mit rund 200 steril gezüchteten Fliegenmaden. Diese sind bei der Lieferung zwei bis drei Millimeter groß. Die Tiere werden direkt in die Wunde gesetzt und dann luftdurchlässig abgedeckt. Nach zwei bis drei Tagen werden die inzwischen rund acht bis zehn Milli­meter großen Insektenlarven mit steriler Kochsalzlösung weggespült und durch neue ersetzt. Im Durchschnitt reichen drei Anwendungen für eine Heilung (pte).


Keywords: Schmeißfliegen, Fliegenmaden, Medizin, Wundheilung, Wund­be­hand­lung
 

 


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